Ein unvergesslicher Tag in Gochas

 

Am 16.06.2015 war es endlich soweit, unser erster offizieller Besuch in Gochas – es sollte ein unvergesslicher Tag werden …
Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Ich hatte zwar vor unserem Besuch um einfache Ideen gebeten, wie sich die Spendenempfänger bei den Spendern bedanken könnten, aber das, was dann alles auf uns einwirkte, überstieg jegliche Vorstellungskraft. Alles, was ich mir auch nur in den kühnsten Träumen hätte ausmalen können, wurde noch übertroffen. Nachfolgend ein Versuch den Tagesablauf und die Ereignisse zusammenzufassen.
6:00 Uhr Aufstehen – Wir schliefen auf einer der wohl schönsten namibischen Campsites – dem Red Dune Camp
Dieser Tag begann besonders früh. Bereits um 6:00 Uhr krabbelten wir uns aus dem Zelt. Das Wasser war schnell heiß und damit dann auch der Kaffee vorbereitet. Ein toller Morgen, blauer Himmel und ein wunderschöner Sonnenaufgang – War das schon ein Hinweis? Ich habe zügig die Spenden in entsprechende Taschen für die unterschiedlichen Zielgruppen (Kindergarten, Schule, Kirche, Klinik und für ein kleines Mädchen) umgepackt. Gegen 8:00 Uhr dann auch endlich ein kleines Frühstück für mich. Die erste Mahlzeit am Tag in dieser Umgebung ist einfach ein Traum. Natur pur, vereinzelt auch Tiere, absolute Ruhe und auf der wunderschön gelegenen Holzplattform einfach nur zum Genießen. Und wie geplant gegen 8:45 Uhr – der Abmarsch Richtung Tranendal.
9:00 Uhr – Katrina und Isak auf Tranendal
Der Termin war mit Marieta und Pieter von der Farm Tranendal (zu Tranendal gehört auch das Red Dune Camp) abgestimmt. Aber wie es so in Afrika läuft, mussten Katrina und Isak nochmals daran erinnert und aufgefordert werden, zu uns zu kommen. Vermutlich lag es aber an deren Schüchternheit und eher daran, dass sich so eine Aktion nicht sehr häufig bisher ereignet hat. Als die beiden dann doch noch kamen, gab es eine herzliche Begrüßung, da wir uns ja schon im Januar kennengelernt hatten und sie sich an mich erinnerten. Nach Anlaufschwierigkeiten ist Katrina dann doch richtig in die Wäscheauswahl eingestiegen und hat für ihre Tochter Kayla gut die Hälfte der Kleidung mitgenommen. Ein schöner Start in den „Spendentag“, der mit vielen lieben und ehrlichen Worten von Katrina und Isak abgerundet wurde.
9:55 Uhr – Briefing bei Madaleen in Gochas
Madaleen kannte ich bisher nur vom Austausch via E-Mail, dennoch war die Begüßung auch hier sehr herzlich. Ich hatte sie gebeten, mit allen betroffenen Gruppen jeweils ein Treffen abzustimmen, damit ich die Chance habe, alle zumindest kurz zu treffen. Dass daraus fast ein ganzer Tag geworden ist, damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Madaleen hat uns gebrieft und aufgezeigt, dass da schon ein umfangreiches Programm vor uns liegt, bei dem nicht allzuviel Zeit für links und rechts ist, sondern eher sportliche Ziele. Der Ablauf bis zum Mittag war minutiös durchgetaktet, bei dem die verschiedenen Gruppen ihre festen Zeiten genannt bekommen haben und wir uns daher auch an diesen Plan halten sollten. Erstes Ziel war die Schule.
10:06 Uhr – Station 1: Laerskool Pally Carstens
Von der Kirche bis zur Schule benötigten wir mit dem Auto nur 5 Minuten. Als wir dort ankamen probten die Kinder bereits etwas auf dem Schulhof. Warum und wofür, sollten wir nur kurze Zeit später erfahren. Mit der Schule hatte ich bis hierher noch gar keinen Kontakt – alles lief über Madaleen. Wir lernten Elize, die Chefin der Schule und Anri, eine Lehrerin kennen. Wir sprachen kurz über den möglichen Ablauf und wie die Spenden in die anstehenden Vorführungen einzubauen sind. Und dann startete das Schauspiel: Verschiedene Vorführungen, Tänze, Lieder und Ansprachen wechselten sich ab. Wir bauten die Übergabe der Notebooks, der Smartphones und der Fußbälle mit ein. Danach durften wir Gäste am Mathematikunterricht sein. Anschließend zeigte mir Elize noch den Gartenbereich, wo damit begonnen wurde, etwas Essbares anzupflanzen, gefolgt von einer kurzen Tour durch die sich auch noch im Aufbau befindlichen Bibliothek, in der sich die Kinder mit Büchern und anderen Medien weiterbilden oder einfach nur etwas lesen können. Die Zeit verging so schnell, dass es unmöglich war die vielen Eindrücke wirklich nachhaltig wirken zu lassen. Natürlich hatte ich es mir zur Aufgabe gemacht, so ziemlich alles zu filmen, um es den Spendern, aber auch uns später zeigen zu können. Ich bin sehr froh, sehr viel gefilmt zu haben, so hatten wir die Chance, nach dem Urlaub, die vielen tollen Momente in Ruhe genießen zu können. Die verschiedenen Vorführungen habe ich in kurze Segmente aufgeteilt und zur Verfügung gestellt.
Hier geht es zu den Vorführungen der Kinder der Laerskool Pally Carstens
Fahrräder finden – 11:20 Uhr – „verbotenerweise“ großes Interesse
Von der Schule wollten wir zum nächsten Etappenziel, der Klinik aufbrechen – wurden aber von Madaleen zur Kirche umgeleitet. Die Kinder hatten sich heimlich die gespendeten Fahrräder aus dem Aufbewahrungsraum der Kirche geholt und fuhren abwechselnd mit den Fahrrädern auf dem Kirchengelände umher. Das Spektakel dauerte nur wenige Minuten, reichte aber aus, um den Kindern mehr als nur ein einfaches Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Alle waren so zufrieden, auch mal Fahrrad fahren zu können. „Warum können die alle Fahrrad fahren?“, stellte ich mir die Frage. Ganz einfach, wenn jemand im Freundeskreis etwas hat, dann lässt er auch seine Umgebung daran teilhaben. Und so war es dann wohl auch mal bei einem Fahrrad … Wie uns Madaleen später mitteilte, haben sich ungefähr die Hälfte der Kinder bei ihr bedankt, dass sie überhaupt mal Fahrrad fahren konnten, wohlwissend diese nicht behalten und wieder abgeben zu müssen – Hammer!!!
11:30 Uhr – Station 2: Brillen-Aktion in der Klinik
Etwas nach der geplanten Zeit kamen wir in der Klinik von Gochas an. Hier erwartete uns eine ehemalige Krankenschwester (die schon lange in Rente ist), um mit uns die angefragten Aufnahmen zu machen. Sie und Madaleen hatten eine kurze Rede vorbereitet, um sich bei den Spendern für die vielen gebrauchten Brillen, vor allem aber für das gespendete optische Messgerät, zu bedanken. Zusätzlich waren auch viele Menschen aus dem Dorf gekommen, weil wir besprochen hatten, wieder Brillen direkt zu verteilen. Diese Idee haben wir aber kurzfristig verworfen, weil wir eine Prüfung durch einen hiesigen Augenarzt  für besser und nachhaltiger befanden. Dies musste jetzt den Wartenden mitgeteilt werden. So wie ich die Mienen der Dorfbewohner gedeutet habe, war dies nicht die Nachricht, nach der sich die Menschen gesehnt haben. Und dennoch hat diese Gruppe von Bedürftigen zwei einheimische Lieder für die Kamera vorgetragen.
12:10 Uhr – Station 3: Epiphany Kindergarten – Emotionen, aber vor allem viel Freude bei den Kleinen
Der Epiphany Kindergarten war Gastgeber der „High Noon“ Session. Als wir dort ankamen, warteten auf uns ca. 50 Kinder mit Eltern und Großeltern im Kindergarten und viele weitere größere Kinder außerhalb. Auch hier gab es eine vorbereitete und akribisch geplante Choreografie, die dann auch penibel abgearbeitet wurde. Leesma begrüßte uns mit einem breiten Grinsen und hat uns kurz in den Ablauf eingewiesen, ohne aber Details zu nennen. Es startete mit einer kurzen Ansprache von Leesma direkt gefolgt von einem Gebet, an dem sich alle Anwesenden beteiligten. Dann ein von den Eltern vorgetragenes Lied, gefolgt von der Vorstellung meiner Person, mit der Übergabe und Aufforderung an mich (nicht abgesprochen) etwas zu mir und meiner Motivation zu sagen. Das tat ich dann auch.
Dafür haben dann die Kinder zunächst ein Lied, anschließend die Eltern ein Lied über Namibia gesungen. Leesma hat dann wieder etwas vorgetragen und danach waren dann wieder die Kinder dran. Nach weiteren Informationen von Leesma brachte dann das Finale „Thank You Jesus“-Lied den Abschluss dieser Etappe. Eine weitere letzte Ansprache von Leesma führte uns zu dem Punkt, an dem Danksagungen für die Spender für die Kamera erfolgten. Zusätzlich haben die Kinder spezielle Dankeskarten für die Spender angefertigt, die mir übergeben wurden. Zum Abschluss konnten wir uns noch die kleine Küche ansehen, in der die Speisen für die Kinder zubereitet werden. Wir hatten am Vortag schon frische Lebensmittel und Konserven abgegeben. Aus diesen Zutaten wurde eine sehr nahrhafte Suppe für die Kinder gekocht, die jetzt auch vor unseren Augen serviert wurde. Ich habe selten in so glückliche Kindergesichter geschaut …
13:15 Uhr – Station 4: Mittagspause und ein tolles Interview
Wie schön und entspannend eine Mittagspause sein kann, sollten wir bei Madaleen und Gustav erleben. Gustav hatte für uns einen frischen Salat zubereitet. Total lecker, immer wieder gerne. Wir sprachen viel über den Vormittag, was noch anstehen würde, aber auch über unsere weitere Reise und der nächsten Nacht auf unserer Lieblings-Campsite. Als wir mit dem Mittagessen fertig waren, stand noch das persönliche Interview mit einer Message von Madaleen auf dem Programm. Wir drehten diese Sequenz im Garten und brauchten nur eine Einstellung, dann war die Aufnahme im Kasten. Es war so gemütlich und wohlig bei den beiden, aber der Nachmittag war noch nicht vorbei, die Minuten und Stunden vergangen wie im Flug und wir mussten wieder los.
Hier geht es zur Ansprache von Madaleen
15:00 Uhr – Station 5: Wieder zurück im Kindergarten
Wir hatten noch einige Besonderheiten für den Kindergarten im Gepäck, die wir mit etwas mehr Zeit übergeben wollten. Ich hatte mich im Vorwege bei Müttern mit Kindern im Kindergartenalter informiert, womit man sich bei uns aktuell beschäftigt. Aus den gemeldeten Spielen oder Tätigkeiten habe ich mich für Bügelperlen, Seidenschals, Plastikdecken-Bewegungsspiel (Twister) und Loom-Bands entschieden. So richtig konnte ich die Ideen, was und warum etwas mit diesen Materialien auch hier anzufangen ist, nicht verständlich machen. Ich habe es, soweit es mir möglich war, erklärt und Madaleen hat dann auch noch mit ihren Worten nachgelegt. Aber es ist uns wohl nicht wirklich geglückt, von diesen Ideen zu überzeugen. So haben wir mit gemischten Gefühlen, aber mit einer sehr herzlichen Verabschiedung, den Kindergarten verlassen. Ich habe mir aber vorgenommen, später nachzufragen und beim nächsten Besuch mal zu schauen, wie sich die Dinge hier entwickeln. Erster Eindruck, mal eben europäische Erkenntnisse oder Geflogenheiten hier einzuführen, stoßen zunächst einmal nicht auf Gegenliebe, aber steter Tropfen höhlt den Stein.
15:40 Uhr – Tanken und vorerst Abschied von Gochas
Nachdem leider nicht so erfolgreichen Abschluss sind wir noch kurz für einige Aufnahmen durch den Ort gefahren, um dann noch an der einzigen Tankstelle in Gochas etwas Treibstoff aufzunehmen. Wir nutzten die Zeit, die Sonne und den blauen Himmel, um einige weitere Aufnahmen zu machen.
18:30 Uhr – Zurück im Camp und den Tag Revue passieren lassen
Der Tag steckte uns positiv in den Knochen, aber missen – niemals!!! Wir diskutierten über die vielen Überraschungen, Eindrücke und tollen Vorführungen der verschiedenen Protagonisten. Am erstaunlichsten war aber, dass dieser Tag, Dienstag der 16.06.2015 , „The day of the African Child“ (Tag des Kindes) war. Normalerweise hätten an diesem Tag alle frei gehabt. Die Kinder aus dem Kindergarten, die Kinder aus der Schule, auch die Lehrer und die Mitarbeiter aus dem Kindergarten. Trotzdem waren alle gekommen, um für uns etwas Vorbereitetes vorzutragen. Und dies auch nur, weil bis zu diesem Zeitpunkt einige überschaubare Spendenaktionen für Gochas erfolgt waren – wir stehen ja erst ganz am Anfang. Wir bereiteten uns ein kleines Abendessen und genossen die Stille, die Umgebung, die Eindrücke vom Tag – es passte einfach alles! … Danke für diesen unvergesslichen Tag …
Hier geht es zu einem Video, das den Tag in einer Schnellübersicht zeigt …