Wiederverwendbare Binden

 

Waschbare BindenAls ich im November 2019 durch Namibia gefahren bin, habe ich an den verschiedensten Orten von der Entstehung von so genannten „Girls Clubs“ erfahren. Ziel dieser Clubs ist es unter anderem, den Mädchen viel über sich, das Heranwachsen, der Pubertät, dem Kontakt zu Jungen und auch zum Thema Teenager-Schwangerschaft zu erklären. Aber auch das generelle Thema „Female Empowerment“ steht hier im Mittelpunkt, sich gegen Gewalt zu wehren und auch die Selbstverteidigung zu üben. Bei den Unterhaltungen kamen auch immer wieder die Themen „Einwegbinden“ auf den Tisch. Die Mädchen bleiben während der Periode der Schule fern, weil sie keine Hygiene-Artikel haben und die Sexualität wird hier weiterhin lieber unter den Teppich gekehrt. Dies weckte mein Interesse sehr nachhaltig, denn wie sollen die Mädchen adäquat lernen, wenn sie pro Monat eine Woche nicht am Unterricht teilnehmen?
Dieses Thema, mit der nicht Verfügbarkeit von Hygiene-Artikeln für die Mädchen, war einer der Gründe, warum mir sehr klar wurde, dass ich endlich meine Flughöhe bei meinen Touren durch Namibia verlassen musste. Ich bekam die wirklich wichtigen Dinge des täglichen Lebens nicht mit. Somit habe ich dieses Thema sehr ausgiebig mit Nadine besprochen und mich intensiv in das Thema eingearbeitet. Am Ende kamen wir zur Lösung, dass die lokale Produktion von waschbaren und somit wiederverwendbaren Binden wohl die nachhaltigste, günstigste und somit auch beste Variante sei.
MusterNadine konnte eine sehr gute Freundin, die Kerstin, für das Thema gewinnen und somit hatten wir eine erfahrene Näherin an Bord. Schnell entstanden verschiedene Ideen und erste Muster, wie so etwas aussehen kann. Natürlich bedienten wir uns an vorhandenen Binden, die es bei Amazon zu bestellen gab und die in verschiedenen Online-Portalen ausführlich beschrieben sind. Auch hatte ich eine längere Unterhaltung mit einer Betreiberin einer Online-Plattform, die mich bei den entscheidenden Ideen bestärkte. Am Ende kam das Ergebnis heraus, möglichst nichts / wenig hier zu sammeln oder zu kaufen und dann nach Afrika zu schicken. Sondern die Umgebung dafür schaffen, dass diese wiederverwendbaren Binden in den Städten, Gemeinden und Ortschaften selbst produziert werden. Dabei sollten eher normale und verfügbare Materialien verwendet werden, die auch leicht gewaschen werden können, wie gebrauchte Handtücher, Bettwäsche oder T-Shirts.
Natürlich ist dies kein Projekt welches jetzt für Namibia und einmalig in der Welt entsteht. Nein, es gibt schon sehr viele Ansätze dazu. Meistens werden diese wiederverwendbaren Binden von Firmen / Fabriken hergestellt, die idealerweise über Spenden finanziert wurden. Und nach der Produktion werden diese Binden dann Bedürftigen an den Schulen übergeben. Dies dauert nur offensichtlich sehr lange und die kleinen Ortschaften, tief im Landesinneren, werden dabei wie so häufig, wenn überhaupt, erst sehr spät bedient.
Auch ist die Frage der Fertigung eine sehr wichtige für uns im Team geworden. Viele Produktionen liefern ein Stück, mit einer entsprechenden Dicke und eingenähten Lagen. Wir haben uns dafür entschieden, ein so genanntes Haupt-Modul zu nähen, welches Befestigungsbänder für weitere Lagen (Layer) hat. Diese weiteren Lagen können aus verschiedenen Materialien genäht werden und erhöhen somit, nach Bedarf, den Komfort und die Dicke der Binde entsprechend.
Bevor wir zu diesem Ergebnis gekommen sind, haben wir uns sehr intensiv mit dieser Materie beschäftigt. Wie oben schon erwähnt, durch Interviews mit unterschiedlichen Ansprechpartnern und Spezialisten, mit Recherchen im Internet, vor allem aber auch im Austausch mit Kundigen aus Namibia, die schon Erfahrungen mit diesem Thema im Land gemacht haben. Dabei kam sehr eindeutig heraus, dass durch die in der Masse fehlende frühzeitige Aufklärung, die Tabuisierung im Elternhaus und damit einhergehend der fehlende intensive Kontakt mit dem eigenen Körper bei den Mädchen, derzeit nur Hygiene-Artikel in Frage kommen können, die sehr einfach anzuwenden und möglichst wenig Kontakt zum Körper aufweisen.
Aufgrund der Tatsache, dass sowohl Menstruationsschwämme, Menstruationstassen als auch Tampons mit den Fingern eingeführt werden müssen, fielen diese Möglichkeiten raus. Damit war klar, dass Einwegbinden aktuell die einzige Wahl und auch die bevorzugte Methode bei den Mädchen sein würde und ist. Nur, diese Einwegbinden kosten immer und immer wieder Geld. Sie sind nicht besonders schonend für die Umwelt und die Entsorgung wird ganz sicher auch nicht nachhaltig sein. Daher nahmen auch wir die Idee mit den wiederverwendbaren Binden auf, da diese zunächst unendlich Verwendung finden können, je nach Handhabung. Die Mädchen oder Näherinnen im Umfeld können diese aus vorhandenen Materialien und mit etwas Unterstützung selbst herstellen und wir kurbeln damit auch etwas die lokale Konjunktur an.
CoronaUnter Betrachtung der Corona-Krise. Dass es aktuell andere Bereiche auch und gerade in Namibia gibt, die unterstützt werden sollten und müssen, steht außer Frage. Nur, durch die ausbleibenden Touristen, viele zusätzliche Arbeitslose, die geschlossenen Schulen (dadurch fällt auch für viele eine bisher sichere Mahlzeit aus) und wenig Beschäftigung für die Näherinnen im Ort, gibt es auch keine Einnahmen, mit denen die Einwegbinden finanziert werden können. Und auch wenn die Schulen derzeit noch nicht wieder geöffnet sind und vorerst wohl auch nicht werden, benötigen die Mädchen diese Versorgung. Also warum nicht jetzt schon beginnen, diese wiederverwendbaren Binden zu produzieren, damit nach Öffnung der Schulen ein einfacher Übergang möglich ist?
Ich finde mich hier wieder, möchte aber mehr Informationen, auch wie ich Spenden kann – Hier sind mehr Details